14. 08. 2019   Unerwartet  
       

"Ein lauscherhoher Gabler, der rechts auf einen Sechser blendet. Ein Schwächerer lässt sich bei mir nicht blicken" informiere ich den Jagdleiter.

Wir sind auch beim Abschuss der Böcke nicht im Plan, hat er mir gerade mitgeteilt.

"Dann nimm ihn halt heraus" seufzt er.

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"Der Abschussplan beim Rehwild ist so zu erstellen, dass beim männlichen Wild mindestens 60 Prozent des Gesamtabschusses auf die Klasse III und Bockkitze entfällt. Derselbe Grundsatz gilt für das weibliche Wild. Mit dem Abschuss soll ein Geschlechterverhältnis von 1:1 herbeigeführt bzw. erhalten werden"

Abschussrichtlinien des Oberösterreichischen Landesjagdverbandes

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25. 09. 2019
Den Bock, den ich statt des angegangenen Gablers erlegt habe, wurde als Bock der Klasse 1 eingestuft. Er ist damit einer von drei Böcken dieser Klasse, die heuer in unserem Revier erlegt worden sind. 310 Gramm Geweihgewicht nach Abzug des Schädels ohne Unterkiefer.

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Eine Stunde vor Sonnenuntergang steige ich die steile Wiese zur Kanzel an der Grenze zum anderen Revier auf. Ich muss dazu ein Eck in der Flur ausgehen. Der Wald hat der Wiese hier schon vor langer Zeit weichen müssen.

Als ich den letzten Baum vor der Biegung zu diesem Eck erreiche und meinen Schritt nach rechts wende, gehe ich sofort zu Boden.

Etwa 30 Meter vor mir steht der Gabler in der Äsung. Er hat mich nicht bemerkt.

Kein Kugelfang. Abgesehen davon stört Gras Sicht und Flugbahn.

Ich entschließe mich, die Wiese im Liegen behutsam hinauf zu rollen.

Schon nach der zweiten Rolle wirft der Bock auf. Ich friere die Bewegung ein. Er schreckt nicht, aber starrt lange Sekunden misstrauisch in meine Richtung. Dann dreht er sich um und zieht in die Deckung.

Dort kann ich jetzt nicht vorbei, um die Kanzel zu erreichen. Ich schiebe mich in Zeitlupe zurück, klopfe die Mischung aus Lehm, Samen und Grasresten aus Hose und Jacke und schlage einen weiten Bogen.

Ich gehe die Kanzel von oben an, besteige sie und nehme das untere Waldstück ins Visier, in das der Bock eingezogen ist.

Er kommt nicht. Hin und wieder drehe ich mich um, ob er oder ein anderes Stück vielleicht oberhalb auszieht.

Als ich das vierte oder fünfte Mal nach hinten sehe, trollt der Gabler entlang der Reviergrenze nach Westen. Bis ich mich mit der Büchse auf dem Sitzbrett um 180 Grad gewendet habe schlagen über seinem Ziemer schon die Pferdebohnen des Nachbarfeldes zusammen.

Ein Bock ist nicht dümmer als der Jäger. Auch der Jahrling hat einen Bogen geschlagen, freilich in entgegengesetzter Richtung durch den Wald hinter der Kanzel.

Noch habe ich meinen Ärger nicht hinunter geschluckt zieht ein anderer, ein reifer Bock auf der Fährte des Jahrlings aus. Bisher habe ich ihn noch nie gesehen. An der Stelle, an der der Gabler ins Nachbarrevier gezogen ist, verhofft er und schickt sich an, ihm zu folgen.

Davon halte ich ihn ab. Er bleibt im Feuer.

 

Horrido!