| 03. 08. 2026 | Der Wanderbock | |||
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Bock ansprechen Der häufigste Fehler beim Ansprechen ist nicht mangelndes Wissen, sondern Eile. Ein Bock tritt aus, das Herz schlägt höher, das Glas ist oben - und schon sucht man nur noch nach einer Bestätigung für das, was man sehen will. Genau da beginnen Fehleinschätzungen. Sauberes Ansprechen funktioniert anders. Du liest das Stück als Ganzes: Körper, Haupt, Träger, Lauscher, Verhalten, Gang, Stellung zum Beobachter und erst dann das Gehörn. Wer nur auf die Stangen schaut, übersieht oft das Entscheidende. Gerade beim Rehwild ist die Gesamterscheinung oft ehrlicher als ein kurzer Blick auf Enden oder Masse... Ein alter Bock trägt seine Reife oft im Körper, nicht zwingend im Gehörn. Viele Jäger erwarten den starken Kapitalen und übersehen den alten, zurückgesetzten Bock mit guter Masse im Wildbret, starkem Träger und markantem Haupt. Solche Stücke wirken oft gesetzt, manchmal schwerfälliger, gelegentlich sogar etwas "eckig". Alte Böcke können im Gehörn abbauen. Wer also nur nach Höhe, Enden oder sauberer Symmetrie urteilt, spricht manche alten Stücke falsch an. Das ist ein Klassiker in der Praxis.
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Seit ich im Juni von hier aus ein Schmalreh erlegt habe, habe ich den Hochstand in diesem Teil des Reviers nicht mehr bestiegen. Am Abschuss des braven Jahrlings, der in der Morgendämmerung vorbei trollt, bin ich nicht interessiert. Der Jahrlingsabschuss ist erfüllt. Ich halte Ausschau nach der Geiß mit den zwei Kitzen, die ich im Frühjahr hier gesehen habe. Ist sie noch hier? Sind beide Kitze wohlauf? Im September will ich zumindest eines erlegen. Sie kommt nicht. Statt dessen taucht ein ganz anderer Bock am Waldrand auf und zieht in die Wiese. Ich kenne ihn nicht. Der Kontrast zum Jahrling ist nicht zu übersehen: schwerer, muskulöser, starker Träger, eine nahezu eckige Erscheinung, dunkles Gehörn. Ich muss mich schnell entscheiden.
Das aufgebrochene Wild bereite ich für die Wildkammer stets an einem dafür eingerichteten Platz am Hof des Jagdleiters auf: Sehnen aufschärfen, Haupt abtrennen, aufhängen, waschen, die Ausschusswunde allenfalls sauber ausschneiden, da und dort putzen. F. prüft die Zahnreihe des Unterkiefers. "Weidmannsheil! Der hat das Alter" stellt er befriedigt fest. Unterlegt mit Fichtenzweigen liegt das Haupt auf dem Präsentationsteller zwischen F. und mir. Wir stoßen auf den Jagderfolg an und frühstücken mit Kaffee. Auch F. hat den Bock vorher nie gesehen. |
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Horrido! |
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