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| Road to Perdition |
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22. März 2026 Der Westen ist eine geographische Kategorie. Der politische "Westen" ist ein Konstrukt von abnehmender Gültigkeit. Die gemeinsamen Ursprünge der Staaten im Westen (Antike, Christentum, Reformation, Säkularisation...) sind ein verblassendes zivilisatorisches Band ("Abendland"), das diese Staaten seit je nur locker verbindet. Ihre Differenzen waren meist stärker als die Gemeinsamkeiten aus ihrer Herkunft. Von der Antike bis in die Gegenwart haben die Staaten im Westen einander bekriegt. Bündnisse mit nicht-westlichen Kräften zum eigenen Vorteil waren dabei nie ein Tabu (1). Seit 1948 zählt auch Israel zum "Westen", während Russland vom "Westen" ausgeschlossen wurde (2) und sich zunehmend damit abfindet (3). Die USA beanspruchen und behaupten in diesem Teil der Welt preeminence. Kritik an der Führungsrolle der USA gab es im übrigen "Westen" lange nicht. Die USA boten Schutz gegen finstere Kommunisten. Coca Cola, Jeans, Hamburger, Elvis Presley, John Wayne, Star Trek...eroberten jeden Hauhalt. Bald fühlten sich viele Westeuropäer geradezu als Quasi-Amerikaner. Die Kriege und Interventionen der USA seit 1945 in anderen Erdteilen (Korea, Vietnam, Chile...) berührten die Interessen der meisten Westeuropäer nicht im geringsten. Sie wurden als "Verteidigung von Freiheit und Demokratie" weitgehend akzeptiert und unterstützt. Nur eine verschwindende Minderheit politisch Interessierter hat die Aktionen der USA zunehmend kritisch verfolgt. Erst beim Überfall der USA auf den Irak (2003) gingen einzelne Regierungen in der EU auf Distanz, vor allem Frankreich. Der Hegemon war verärgert. In allen Cafeterien des Repräsentantenhauses wurden French fries und French toast in Freedom fries und Freedom toast umbenannt. Gegenwärtig dominiert die ehemals britische Kolonie den amerikanischen Kontinent und Europa von der Pazifikküste bis zu einer derzeit unklaren Grenze in der Ukraine. Der Verlauf dieser Grenze ist den Westeuropäern wichtiger als den USA (4). Am 12. September 1990 wurde in Moskau der Zwei-plus-Vier-Vertrag unterzeichnet. Deutschland wurde wieder vereinigt, die Sowjetunion und der Warschauer Pakt lösten sich erstaunlich friedlich auf. Damit schien die Jahrzehnte lange kalte Fortsetzung des 2. Weltkriegs beendet. Eine "Friedensdividende" wurde ausgerufen. Die Nachkriegszeit ging über in die Vorkriegszeit. Am 15. März 1999 schlägt die NATO den Auftakt zur neuen Kriegszeit in Europa: Die NATO beginnt ohne UNO-Mandat Jugoslawien zu bombardieren. Warum? Der Staat Jugoslawien stand dem strategischen Entwurf der USA im Wege Ex-CIA-Agent Robert Baer. In der Folge breitet die NATO sich mit dem Vehikel EU in mehreren Etappen nach Osten bis an die Grenze der Ukraine aus. Am 21. Februar 2014
wird der frei gewählte Präsident der Ukraine gestürzt - in einem von den USA offen unterstützen Putsch: die US-Senatoren John McCain und Chris Murphy halten anfeuernde Reden auf dem Maidan. Laut Victoria Nuland (damals Assistant Secretary of State for European and Eurasian Affairs) hatten die USA zuvor über 5 Mrd Dollar in die "Demokratisierung" der Ukraine investiert. Die von Brzezinski formulierte Strategie, die Ukraine aus dem russischen Orbit herauszubrechen, um Russland aus Europa zu drängen und die Kooperation von EU-Staaten (v.a. Deutschland) mit Russland auf Dauer zu unterbinden, scheint aufzugehen. Mit massiver Unterstützung der NATO-Staaten (Aufklärung, Planung, Waffenlieferungen, Söldner) wehrt die Ukraine sich (5) seither gegen die Ansprüche, die Russland erhebt: Abtretung des Donbass, Verzicht auf NATO-Beitritt. Russland hat rund 20 Prozent des Staatsgebiets der Ukraine besetzt und mittlerweile annektiert. Die Front bewegt sich seit der gescheiterten Gegenoffensive der Ukraine im Jahr 2023 auf die territorialen Ziele Russlands im Donbass zu. Die von Trump gestarteten Gespräche zur Beendigung des Krieges zwischen den USA, Russland und der Ukraine verlaufen bisher ergebnislos. Die EU nimmt an diesen Gesprächen nicht teil. Am 28. Februar 2026 ermordet Israel bei einem Überraschungsangriff das iranische Oberhaupt und wichtige Funktionsträger, die sich aufgrund laufender Verhandlungen in Sicherheit wähnen. Damit beginnen anhaltende Luftangriffe auf den Iran durch Israel und die USA und weitere gezielte Mordanschläge (darunter der als eher gemäßigt geltende Philosophieprofessor Laridschani). Im Kampf gegen Barbaren stehen Bedenken bezüglich Moral und Gerechtigkeit nicht immer an erster Stelle... Gut-Sein wie Jesus Christus sei kein Vorteil im Kampf gegen einen Dschingis Khan, zitierte Netanjahu einen seiner Lieblingsschriftsteller [SRF]. Sätze aus einer nicht-westlichen, alt-testamtentarischen Gedankenwelt, die sich vom Tenor im Koran nicht unterscheidet. Dennoch sind die "Barbaren" bis dato weder wehrlos gemacht, noch scheint der iranische Staatsapparat maßgeblich geschwächt. Die USA hoffen auf eine kritische Masse von Überläufern [Bolton, FR], die sich auf die Seite des Aggressors schlagen. Wann und mit welchem Resultat die Kampfhandlungen eingestellt werden weiß zur Zeit niemand. Die ganze Welt aber weiß mittlerweile, was Israel und die USA anderen Staaten und vielen Menschen auf der Welt mit dieser Aggression zumuten: Engpässe bei Öl, Gas und Düngemitteln, die bei anhaltenden Kampfhandlungen vielerorts Inflation, Missernten und soziale Verwerfungen auslösen werden. Im Unterschied zu früheren imperialistischen Kriegen der USA (etwa in Vietnam) sind viel mehr völlig unbeteiligte Menschen auf der Welt negativ davon betroffen - und kennen die Ursachen. Das kommt: die Globalisierung der Wirtschaft in den vergangenen Jahrzehnten hat wechselseitige Abhängigkeiten in der Welt verstärkt. Immer mehr Unternehmen und Konsumenten sind auf weltweit ungestörte Warenströme und Lieferketten angewiesen. Wer dieses System mutwillig stört - durch Zölle, Sanktionen, Krieg - handelt gegen die Interessen eines Großteils der Menschen auf diesem Planeten. Rationale Politik müsste sich daher auf dem Hintergrund dieser allseitigen Verflechtung auf den Erhalt des Friedens durch intensivierte Kommunikation und Verhandlungen konzentrieren. Warum funktioniert das nicht? Weil die Motive vieler Akteure maßlos sind: es geht ihnen um Vorteile oder um Expansion zu Lasten anderer statt um Kooperation. Der Appell Trumps an die NATO-Partner in der EU, sich auch an diesem verrückten Krieg zu beteiligen, fruchtet zu seinem Ärger bisher nicht. Das klingt nach einem Zuwachs an Rationalität. Verlassen darauf aber kann der EU-Bürger sich nicht: Dobrindt schließt deutsche Beteiligung am Iran-Krieg nicht aus [NIUS]. Israel und die USA als Brandstifter der Weltökonomie und Weltpolitik zu bezeichnen ist keine Polemik. Es ist eine Feststellung. _______________________________________ (3) Gorbatschow, Jelzin und Putin hat bei allen Unterschieden eine unerwiderte Neigung zum Westen geeint. Der Überfall der NATO auf Jugoslawien und ihr Vorstoß bis in die Ukraine hat jedoch die Ost-Orientierten in der russischen Elite gestärkt. Als diesbezüglich einflussreich gilt der Politologe Karaganow: Russland möge die fruchtlosen Versuche aufgeben, ein "Gemeinsames Haus" mit Westeuropa zu bilden - dem Westen sei nicht zu trauen - und soll sich primär auf die Entwicklung Sibiriens konzentrieren. Die Zukunft Russlands liege im Osten, nicht im Westen. Die Ukraine sei einer Rückeroberung nicht wert, sondern lediglich ein Sicherheitsrisiko, das auszuschalten sei, notfalls mit Atombomben. |
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