Vergiftetes Angebot

17. September 2025

Wird die EU sich zwischen totaler Abhängigkeit von den USA und einer multipolaren Welt entscheiden? Ist dieser Zug schon abgefahren?

Selensky und die europäischen NATO-Länder drängen die USA nach wie vor, mehr Druck auf Russland auszuüben. Auf sich allein gestellt sind sie nicht in der Lage, Russland niederzuwerfen / zu ruinieren / die Ukraine auf ganzer Linie siegen zu lassen.

Trump hat dazu ein vergiftetes Angebot (1). gemacht: die EU-Länder stellen den Import von russischem Öl und Gas umgehend auf Null und verhängen Sekundärzolle gegen Länder, die diese Güter beziehen. Dann tun die USA mit.

Greift die EU dieses Angebot auf, macht sie sich mit Haut und Haar von den USA abhängig (Import von Energie und Rohstoffen, Export von Waren und Dienstleistungen) und schließt sich weitgehend von Märkten aus, die sie dringend braucht (Indien, China, andere BRICS-Länder...), um das Ziel "unabhängiger von den USA zu werden" zu erreichen.

Lehnt sie dieses Angebot ab, riskiert sie anhaltenden Liebesentzug aus dem land of the free and the home of the brave.

Was wird das EU-Establishment tun? - Lavieren. Das heißt: Mit den USA verhandeln, ob nicht dies oder jenes genügt, um die USA zu motivieren, sebst mehr Druck auf Russland auszuüben, direkt oder indirekt über China, Indien...

Bleiben die USA hart und schwenkt die EU auf diesen Kurs ein ist die Globalisierung (2) vorderhand beendet: Erneut werden zwei Blöcke einander gegenüber stehen und eine dritte Gruppe von Staaten, die dazwischen zu überleben suchen (3).

Wo liegen die Unterschiede zur Situation im Kalten Krieg? Vor allem wohl darin, dass in dieser neuen weltpolitischen Dualität der Block der USA und ihrer Vasallen ökonomisch, technologisch und militärisch weitaus schwächer sein wird als dieser Block seinerzeit gegenüber der Sowjetunion und China gewesen ist.

Könnte die EU auch anders? Könnte sie sich selbst als eigenständiger Spieler in einer mulitpolaren Welt verstehen und sich dazu entwickeln? Klar. Dazu müsste sie zunächst Frieden mit Russland schließen. Das atlantisch gepolte Establishment der EU garantiert freilich, dass dies nicht geschehen wird.

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(1) Trump bringt mit diesem cleveren Angebot nicht nur die EU in Verlegenheit. Er befreit sich damit zugleich vom Druck der parteiübergreifend agierenden Bellizisten im Kongress.

(2) Wenn man unter "Gloablisierung" die weltweite Vernetzung der Menschen, der Wirtschaft und der Staaten zum wechselseitigen Vorteil im Rahmen einer gemeinschaftlich festgelegten Ordnung versteht. Rhetorisch unterstützen die meisten Staaten eine solche Entwicklung. In der Praxis aber agieren sie immer wieder dagegen und suchen den Vorteil für sich zu Lasten anderer. Vorzugsweise verschleiert, fallweise mit Gewalt.

(3) Trump selbst scheint dieses Szenario nicht als erste Option anzustreben. Er rechnet mit dem Lavieren der EU. Das lässt ihm weiter freie Hand.



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