Uneinsichtig

17. August 2025

Der Versuch, Russland im Rahmen eines konventionellen Krieges und mithilfe von ökonomischen Sanktionen eine "strategische Niederlage" zu bereiten ist gescheitert (1). Russland zu "ruinieren" oder einen Regimewechsel analog zur Ukraine zu erzwingen hat mit den bisher eingesetzten Mitteln (2) nicht funktioniert.

Die USA scheinen bereit, es bei diesem Ergebnis vorderhand zu belassen und Frieden zu schließen. Sie nehmen dabei keinen Schaden. Das Ziel, die EU und Russland ökonomisch und politisch zu entkoppeln und Europa damit nachhaltig zu schwächen haben sie so oder so erreicht. Selbst die Trump-feindlichen "liberalen" Globalisten und Russenhasser in den USA scheinen sich bisher damit abzufinden: Trump lebt noch.

Das Regime in der Ukraine und seine Unterstützer in der EU-Nomenklatura hingegen sind offenbar (noch) nicht bereit, die Realität zu akzeptieren. Sie reiten weiter auf Forderungen herum, die Russland nicht erfüllen wird ("Waffenruhe vor Verhandlungen" etc). Ihre Frustration entlädt sich in verbitterten, hasserfüllten Kommentaren gegen den Kriegsverbrecher, Geheimdienstler und "Machthaber" Putin. Etwas vorsichtiger formulieren sie ihre Kritik am US-Präsidenten, der dem absolut Bösen den roten Teppich ausgerollt und Putin aus einer angeblichen "internationalen Isolierung" (2) herausgeholt hat - aus Dummheit oder weil er halt selbst böse ist.

Was kann da herauskommen?

Die EU-Nomenklatura und die russophoben Lohnschreiber des Mainstreams setzen offenbar auf Unversöhnlichkeit, dh bestenfalls auf eine Einfrierung des Konflikts a la Korea ohne Friedensvertrag. Strategisch kommt den USA die Borniertheit der EU-Nomenklatura einerseits durchaus entgegen: sie garantiert eine nachhaltige Spaltung Europas und die geopolitische Alternativlosigkeit der EU zum Vasallenstatus.

Dennoch: Trump hätte damit keine Freude. Ihm wäre ein Friedensvertrag lieber. Angeblich, weil er unbedingt den Friedensnobelpreis bekommen will. Vermutlich aber primär deshalb, weil Russland ohne Friedensvertrag seine Koalition mit China ausbauen und festigen wird, bei einem Friedensvertrag aber bereit ist, beiderseits vorteilhafte Beziehungen zu den USA zu unterhalten (zB bei Rohstoffen, Weltraumprojekten).

Russland hat demnach mit oder ohne Friedensvertrag geopolitische Optionen. Die EU hingegen verschließt sich der Kooperation mit Russland - und bleibt so einseitig abhängig.

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(1) Die EU arbeitet dennoch unverdrossen am 19. "Sanktionspaket" gegen Russland. Wirksam waren die bisherigen 18 vor allem in der EU selbst, nicht zuletzt in der Industrie Deutschlands: wettbewerbsfeindliche Energiepreise, Verlust eines großen Exportmarktes.

(2) Die EU hat bis Ende 2024 rund € 139 Mrd in den Krieg investiert, die USA haben sich mit ca € 120 Mrd daran beteiligt. Dazu kommen militärische Zusagen im ersten Quartal 2025 in der Höhe von rund € 22 Mrd. Vgl. dazu Wikipedia und die detaillierten Daten des Ukraine Support Trackers des ifw in Kiel.

(2) Weder Putin noch Russland waren und sind "international isoliert". Der Gebrauch des Wortes "international" bezieht sich in der politischen Publizistik im Westen auf die Staaten des Westens - als gäbe es außerhalb dieses Kreises keine anderen Mächte, Bündnisse und Kooperationen! Die BRICS-Staaten etwa scheinen geschlossen nicht geneigt, sich allenfalls drohenden Sanktionen des Westens zu beugen, weil sie mit Russland kooperieren. Die Realität ist: der Westen kann die übrige Welt nicht mehr bezwingen.

Ergänzung, 19. August 2025

Am Freitag Schulterklopfen mit Putin, am Montag freundschaftliche Stimmung mit Selenskyj und seinen Unterstützern – die Bilder wollen nicht zusammenpassen [STANDARD]

Das Entsetzen und die Verbitterung in der EU und in der Ukraine weichen einer merkwürdigen Mischung aus Trotz, Hilflosigkeit und Unterwerfung. Trump hat die Dinge in Fluss gebracht.

Zur Freude der EU-Nomenklatura freilich nicht.

Die Bilder passen schon zusammen.

Sie zeigen auch, wie die Rollen dabei verteilt sind.

24. 08. 2025

Warum haben sie nicht verlangt, dass auch Zölle gegen amerikanische Waren verhängt werden? fragt Nobelpreisträger Stiglitz die Europäer im STANDARD. - Ist das so schwer zu verstehen?

Weil sie es NICHT KÖNNEN.

Seit Jahrzehnten liefern die tonangebenden Atlantiker in der EU ihre Staaten im Interesse ihrer eigenen Karriere technologisch und politisch den USA aus. Aufgrund des zerstörten Verhältnisses zu Russland und ihrer überheblich-kritischen Position zu China hat die EU keine greifbaren ökonomischen und geopolitischen Optionen zu ihrem Vasallenverhältnis zu den USA. Damit ist die EU gegenüber dem Druck der USA in einer misslicheren Lage nicht nur als China, sondern auch als Indien und Brasilien.

Der zunehmende Ruf in der EU nach mehr Selbständigkeit und Unabhängigkeit von den USA bleibt gepaart mit einer offenbar schwer korrigierbaren Selbstüberschätzung. Als sei die EU technologisch, ökonomisch und militärisch in der Lage, sich gleichzeitig mit Russland, den USA und China anzulegen!

Der größte Fehler, den Europa immer macht, ist zu glauben, man sei der Mittelpunkt der Welt konstatiert Sebastian Kurz trocken. Dem ist nichts hinzuzufügen.



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