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| Ein "Weltkrieg der Werte" |
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4. Juli 2025 tobt "zwischen Demokratien und Autokratien" dekretiert Eric Frey im STANDARD:
Die Welt im 21. Jahrhundert teilt sich in liberale Demokratien, die die Rechte ihrer Bürgerinnen und Bürger respektieren und eine friedliche Kooperation mit anderen Staaten verfolgen, und Autokratien, die Aggression nach außen und Repression nach innen üben, was nicht immer, aber oft Hand in Hand geht. führt er dazu in den märchenhaften Kategorien von Tolkiens "Herrn der Ringe" aus. Auch wenn die USA und Israel vom Pfad des Lichts ein wenig abgerutscht sind, schöpft Frey Hoffnung: Mit dem Überfall auf den Iran hat der Westen nach dem Schock der ersten Tage der Trump-Präsidentschaft wieder mehr Schlagkraft und Einigkeit gezeigt. Immer noch aber besteht die Gefahr, dass durch des Westens innere Feinde (Orban, Fico, der unberechenbare Trump) die Ukraine dem Kreml-Herrscher Wladimir Putin zum Fraß vorgeworfen wird. Ohne methodischen Zynismus bleiben politische Prozesse einer realitätsbezogenen Analyse oft unzugänglich. Dennoch bin ich immer wieder überrascht, wie unverfroren (1) Politiker und Lohnschreiber die hohe Moralität der eigenen Ziele preisen und die niedrigen Motive der jeweiligen Gegner verächtlich machen. Zuweilen habe ich den Eindruck, dass sie diese manichäische Simplifizierung nicht einmal heucheln. Die ideologische Funktion dieser Wahrnehmungsverzerrung leuchtet ein: sie dient der Formierung und dem Zusammenhalt der jeweiligen Fronten. Auch wenn es nirgendwo auf der Welt nur Gute und Böse gibt, ist diese Simplifizierung eine massive soziale Realität im ewigen struggle for existence zwischen Individuen, Gruppen, Staaten und Kulturen. Dennoch: wer den Anspruch intellektueller Redlichkeit erhebt, sollte sich nicht an der Konstruktion, sondern an der Dekonstruktion solcher Narrative beteiligen. Auch wenn dies oft vergeblich ist und man sich damit wenig Freunde schafft: Ohne diese Bemühung gibt es keinen Interessenausgleich und werden Konflikte stets durch Gewalt ausgetragen und entschieden. Ich frage mich daher: wenn die "liberalen Demokratien" tatsächlich eine friedliche Kooperation mit anderen Staaten verfolgen: # Was ist von Werten zu halten, die mit Panzern und Raketen, mit explodierenden Pagern, mit der gezielten Ermordung von Wissenschaftern, mit der systematischen Zerstörung der Lebensgrundlagen von Millionen Menschen, mit der massenhaften Tötung von Zivilisten und dem unverhohlenen Ziel ihrer Vertreibung durchgesetzt werden? # Wieso geben die 32 friedliebenden Händlerstaaten, die sich in der NATO zusammengefunden haben, schon jetzt mehr für Rüstung aus als die restlichen 163 Staaten der Welt zusammen, also einschließlich Russland, China, Indien...? Allein der friedliebende Händlerstaat USA hält an den globalen Militärausgaben und mit rund 1.000 Stützpunkten weltweit einen Anteil von rund 40 Prozent [STATISTA]. # Wie kommen die friedliebenden Händlerstaaten dazu, ihre kriegsunterstützen Expansions- und Hegemoniebestrebungen (2) für selbstverständlich zu halten und als missionarischen Auftrag ihrer überlegenen Kultur zu rechtfertigen? Ein Großteil der Weltbevölkerung sieht in diesen Bestrebungen schlicht eine neokolonialistische Strategie des "Westens".
# Warum erklären die Ideologen der friedliebenden Händlerstaaten ausgerechnet jene wenigen Politiker und Publizisten zu "inneren Feinden", die für Diplomatie und Verhandlungen eintreten? Herr Frey ist sogar mit Trumps bunkerbrechenden Bomben nicht zufrieden: Für Israel kommt Trumps Waffenruhe zu früh... mit offenen Drohungen und vulgärer Sprache zwang er Netanjahu dazu, einem Waffenstillstand zuzustimmen, den Israel nicht wollte. _______________________________________ (1) 08. 07. 2025 Netanjahu schlägt Trump für den Friedensnobelpreis vor. N. ist hauptverantwortlich für die massenhafte Tötung und Vertreibung von Zivilpersonen. Solche Untaten werden gemeinhin "Völkermord" genannt. Ausnahmsweise figurieren sie in diesem Fall in unseren Qualitätsmedien als grenzwertige "Selbstverteidigung". Mit seinem bizarren Vorschlag schmeichelt N. das übersteigerte Ego seines mächtigen Unterstützers und Mittäters. - Zynismus zum Quadrat. (2) Wie etwa konnte es dazu kommen, dass der erfolgreiche europäische Integrationsprozess vom Pfad der allmählichen ökonomischen Integration abgekommen und auf den Pfad militärischer Beschleunigung eingeschwenkt ist? Wie konnte aus dem Friedensprojekt der europäischen Integration ein neues Kriegsprojekt werden? Seit dem Überfall der NATO auf Jugoslawien, seit der hemmungslosen Expansion dieser "Verteidigungsgemeinschaft" nach Osten, seit dem Putsch in der Ukraine, seit den Scheinverhandlungen zu MINSK, seit der Verweigerung von Verhandlungen über ein europäisches Sicherheitssystem mit Russland etc ist diese Mutation unübersehbar geworden. - Keine Scheu hat die EU dabei mit Verbündeten die solche Meinungen vertreten: Und da Hitler eine "deutsche Ausbildung" genossen habe und im Geiste der deutschen Philosophie und Hochkultur erzogen wurde, erübrige sich jeder Vergleich mit einem Russen wie Wladimir Putin. "Diese Leute kann man nicht vergleichen", betont Alfjorow, und zwar, weil die einen kultiviert seien, die Deutschen, während den anderen, den Russen, jedes Merkmal von Kultur fehle (Alexander Alfjorow, Leiter des ukrainischen Instituts für Nationales Gedenken) |
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